Blick nach vorne

Jetzt, wo das Jahr langsam zu Ende geht, schaue ich zurück auf die ersten Monate hier in der Schule. Es ist schon toll: In wenigen Wochen intensiven Arbeitens habe ich während der verschiedenen kleinen Projekte eine Menge gelernt. Nach wie vor bin ich überglücklich, wenn ich mit Martellina, Spachtel und Pinzette an meinen Arbeitsplatz zurückkehre. Und es ist einfach schön, wenn das am Anfang nicht Machbare auf einmal doch so leicht von der Hand geht. Was man in einem Wochenkurs lernt, ist mit dem Input und der Praxis hier an der Schule einfach nicht zu vergleichen.

In den nächsten Jahren warten viele weitere Techniken, Materialien und Projekte auf mich. Das Verrückte an der Ausbildung ist übrigens scheinbar (das sagen mir zumindest viele ehemalige Schüler), dass man jedes Jahr das bisher Gelernte vergessen muss, um sich für die neuen Techniken zu öffnen. Denn auf einmal wird über den Haufen geworfen, wie im Vorjahr die Form der Steine auszusehen hatte, wie diese gelegt wurden, und wie die Fugen auszusehen hatten.

Natürlich könnte ich viel erzählen was im 2. und 3. Jahr so passiert. Viel spannender ist es, das alles mit den eigenen Augen zu sehen. Hier also ein paar Eindrücke aus den Klassenräumen der höheren Semester. Viel Spaß!

Das 1. Jahr

In meinen Beiträgen bisher habt ihr ja schon gesehen, dass wir im ersten Schuljahr die Grundlagen der Technik und die Ursprünge der Mosaikkunst kennen lernen. Durch Kopieren und Studieren griechisch-römischer Mosaiken aus Pella, Delos, Olintos und Provinzen des römischen Reiches im heutigen Frankreich, Spanien, Südafrika, Türkei, Syrien etc., lernen wir sozusagen das ABC.

Das 2. Jahr

Hier wird es nach den Mosaiken im römischen und hellenischen Stil des ersten Jahres auf einmal ziemlich golden und farbenfroh, denn es werden Portraits und Objekte im byzantinischen Stil erstellt. Also Motive, die ihr zum Beispiel aus den mittelalterlichen Kirchen in Ravenna kennt. Daher wird unter anderem die tecnica ravennate (doppelt indirekte Technik auf Kalk) praktiziert, eine sehr aufwendige Technik, die es wegen des Arbeitens auf provisorischen Untergrund aus Kalk erlaubt, längerfristig Korrekturen am Mosaik vorzunehmen.

Vertieft wird im zweiten Jahr außerdem die von Giandomenico Facchina Mitte des 19. Jahrhunderts erfundene Technik rovescio su carta, die wir bereits im ersten Schuljahr kennen lernen. Zum Ende des anno scolastico hin wird dann mit modernen Techniken gestartet, um zeitgenössische Portraits zu schaffen.
Materialien sind in erster Linie Smalten. Aber auch Stein kommt zum Einsatz, wenn es darum geht, rauere Oberflächen zu schaffen.


Das 3. Jahr

Hier wird allerhand experimentiert mit Fuge, Fläche, Farbe, Schnitt und Material. Es werden zum Beispiel Holz, Filz, Papier, Stoff und Plastik eingesetzt. In der Zusammenstellung mit Smalten, Stein und Marmor entstehen zeitgenössische Werke, die sich durch innovative Texturen und Materialmixe auszeichnen. Das dritte Jahr soll außerdem die Möglichkeit geben, den eigenen künstlerischen Stil zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit mit Künstlern werden neue Einflüsse und Inspiration gewonnen.

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